Gedanken eines Schreiberlings

Trump und die Amygdala

Normalerweise schreibe ich keine politischen Kommentare, das ist nicht mein Gebiet. Aber heute muss ich mich trotzdem äußern – ich werde es mit ein bisschen Wissenschaft verbinden.

Donald Trump will Lehrer mit Schusswaffen ausstatten, damit sie Amokläufer schneller überwältigen können. Es gibt so viele Dinge, die daran falsch sind.

Mal abgesehen davon, dass Symptome und nicht das eigentliche Problem bekämpft werden: Ich als Mutter möchte nicht, dass meine Kinder von Lehrern unterrichtet werden, die problemlos auf andere Menschen schießen könnten. Trump will die Lehrer im Umgang trainieren, aber selbst, wenn man die Technik beherrscht, ist der echte Einsatz etwas ganz anderes. Das erfordert eine gewisse Abgebrühtheit, die ich mir in einem Lehrer nicht wünsche. Noch dazu sollten sie im schlimmsten Fall ja auf Schüler schießen, die sie kennen. Auch, wenn man dadurch das Leben anderer Schüler rettet, ich könnte es nicht und finde das gut so. Eine solche Handlung ist keine mathematische Gleichung sondern eine hochemotionale Situation.

Dazu kommt, dass Lehrer automatisch zum ersten Ziel würden und eventuell nicht mal durch De-Eskalation helfen könnten. Und was ist mit etwas zerstreuten Lehrern, die ihre Waffe vielleicht mal irgendwo vergessen? Schüler, die sie finden und damit herumalbern? Schüler, die sie sogar absichtlich stehlen?

Es sollte sie nicht geben, aber es gäbe sie doch: Lehrer, die ihre Waffe auch zur Einschüchterung nutzen.

Noch dazu kommt, dass Schüler so einerseits an die Gegenwart von Schusswaffen gewöhnt werden und den nötigen Respekt vor den Dingern verlieren, und andererseits jeden Tag in der (zumindest in meinem Empfinden) bedrohlichen Atmosphäre lernen müssten.

Das sind nur die Argumente, die mir sofort in den Sinn kommen. Sicher gibt es viele weitere.

Warum würde also jemand überhaupt auf die Idee kommen? Ok, Donald Trump ist vermutlich schlichtweg wahnsinnig. Ich mag gar nicht darüber nachdenken, was in seinem Kopf vorgeht. Aber die Menschen, die ihn wählen und unterstützen?

Ich glaube, ein Teil der Antwort ist Angst. Angst um die eigenen Kinder und die Angst, seine Familie nicht schützen zu können. Das meiner Meinung nach keine Entschuldigung, aber kommen wir zum wissenschaftlichen Teil: Wie entsteht die Angst in uns?

Eigentlich ist die Angst natürlich dazu gedacht, uns vor gefählichen Situationen zu schützen. Ihre Entstehung im Gehirn ist also etwas vollkommen natürliches und wichtiges. Sie wird von verschiedenen Neurotransmittern (Botenstoffen im Gehirn) reguliert. Da ist zum Beispiel das Noradrenalin, das unsere Angst ankurbelt. Das GABAerge System arbeitet dagegen und löst die Angst. Arbeiten die Systeme im Einklang, empfinden wir Angst, wenn es (mehr oder weniger) sinnvoll ist. Bei einem Ungleichgewicht entstehen psychische Störungen.

Eine wichtige Region im Gehirn für Angstentstehung ist die Amygdala, auch Mandelkern genannt. Hier werden unter anderem emotionale Eindrücke verarbeitet. Kommt ein „Angstreiz“ in der Amygdala an, leitet sie die Informationen an andere Gehirnregionen weiter, wo Handlungen ausgelöst werden. Aber auch die Amygdala wird moduliert, zum Beispiel beeinflusst der präfrontale Kortex, welche Angsterlebnisse gespeichert werden. Durch sogenanntes Extinktionslernen kann die Verbindung eines Stimulus mit „Gefahr“ gelöst werden. Dazu werden Patienten z.B. immer wieder einer Situation ausgesetzt, die sie mit Angst verbinden, aber in einem sicheren Umfeld. So können sie möglicherweise lernen, dass Geräusche oder andere Sinneseindrücke für sich genommen vollkommen harmlos sind. Mit einer solchen Therapie werden unter anderem Soldaten mit posttraumatischer Belastungsstörung (PTSD, post-traumatic stress disorder) behandelt.

Eine weitere wichtige Region in der Angstentwicklung ist der Hypothalamus, wo das corticotropin-freisetzende Hormon (CRH, corticotropin-releasing hormone) sekretiert wird. Das wiederum sorgt für die Ausschüttung von Corticotropin (ACTH, adrenocorticotrope Hormon) in der Hirnanhangdrüse (Hypophyse). Über die Blutbahn gelangt das Corticotropin in die Nebennierenrinde, die daraufhin Cortisol ausschüttet. Dieses Stresshormon aktiviert den Stoffwechsel, so dass uns Energie zur Verfügung steht und wir auf eine gefährliche Situation reagieren können. Gleichzeitig unterdrückt es das Immunsystem, um alle Energie für den Augenblick sinnvoll zu nutzen.

Man könnte noch viel weiter gehen und über das periphere Nervensystem mit der Fight-or-Flight-Reaktion (Kampf oder Flucht) schreiben, aber fürs erste soll das genügen.

Der Punkt ist doch: Amokläufe, besonders an Schulen, machen uns Angst (uns, den Eltern, Tanten, Onkels, Großeltern, Geschwistern, Freunden, oder kurz: uns Menschen). Es ist eine Angst, gegen die wir nichts tun können, denn wenn es passiert, können wir nur mit Entsetzen darüber hören. Aber etwas können wir doch tun: Aus den Fehlern lernen, die richtigen Schlüsse ziehen. Eines ist ganz sicher, die Lösung liegt nicht in der Bewaffnung der Lehrer. Weniger, nicht mehr Waffen werden benötigt, und auch dort dürfen wir nicht anhalten, sondern die Ursachen bekämpfen: Mobbing, Ausgrenzung, Hass, Einsamkeit. Wir sind alle Menschen – lasst uns entsprechend handeln!

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