Gedanken eines SchreiberlingsPsychologieSuchtforschung

Kann ich noch ohne?

Ich habe das schon öfter gemacht, genau wie meine Eltern: Den Januar über keinen Alkohol trinken. Es ist nicht gerade originell, das wusste ich, aber man muss ja auch nicht immer originell sein. Wie weit verbreitet dieser sogenannte Trockene Januar jedoch ist, habe ich erst in diesem Jahr mitbekommen…

Tatsächlich gibt es in verschiedenen Teilen auf der Welt Organisationen, die einen alkoholfreien Monat unterstützen möchten. In Australien und Neuseeland ist es der Juli, in England der Januar – und welchen Monat man sich dafür raussucht, spielt nun wirklich keine Rolle. Für mich hat sich der Januar irgendwie immer angeboten, ebenso wie für viele andere in Deutschland.

Möchte man den Challenge einer Organisation mitmachen, bekommt man – wenn man es wünscht – aufmunternde Mails, SMS oder was auch immer, natürlich gibt es eine App. Mich persönlich würde das eher stören, aber das muss jeder selbst wissen. Aber egal, wie man es macht:

Was bringt ein trockener Monat eigentlich?

Nun, dazu gibt es tatsächlich wissenschaftliche Studien. Zwar weiß man noch nicht, wie lange die Effekte anhalten, aber es scheint, dass Teilnehmer sich insgesamt besser fühlen, besser schlafen und es als Erfolgserlebnis empfinden. Etwa die Hälfte der Befragten gaben auch an, Gewicht verloren zu haben. Klingt zu gut, um wahr zu sein? Möglich, denn ein Problem der Studien ist, dass sie sich nur an den Aussagen der Teilnehmer orientieren. Sicher sein kann man sich also weder, dass alle auch wirklich die komplette Zeit alkoholfrei blieben, noch dass ihre anderen Angaben wahrheitsgemäß waren. Trotzdem kann ich mir selbst gut vorstellen, dass zumindest einige dieser Effekte auftreten.

Dafür oder dagegen?

Ein Problem, das Ian Hamilton von der York University (UK) sieht, ist das „Alles oder Nichts“. Seiner Ansicht nach suggeriert es den Menschen, dass sie entweder komplett auf das Trinken verzichten sollten, oder so weitermachen wie bisher. Dabei wäre es schon hilfreich, den Alkoholkonsum zu reduzieren. (Ob es eine „sichere“ Menge Alkohol gibt, ist eine andere, heiß diskutierte Frage, auf die ich jetzt nicht eingehen möchte.) Außerdem gäbe der trockene Monat das Gefühl, man könne danach wieder so weitermachen wie vorher, oder eskaliert das Trinken dann sogar noch, weil man ja glaubt, alles im Griff zu haben.

Dagegen hält Ian Gilmore von der Liverpool University (ebenfalls UK), dass man in dem trockenen Monat eher seinen Alkoholkonsum insgesamt überdenkt und daraufhin längerfristige Veränderungen macht. Ich schätze, es gibt verschiedene Herangehensweisen und nicht alle davon sind gesund – aber man kann es jedenfalls auch richtig angehen.

Fazit

Für mich selbst habe ich den trockenen Januar beschlossen, um genau das zu tun, was Gilmore vorschlägt: sehen, wie ich ganz ohne Alkohol zurechtkomme, und darüber nachdenken, wie ich ihn in Zukunft sehen möchte. Ich glaube nicht, dass ich (ab Februar) komplett darauf verzichten möchte. Aber reduzieren, bewusster trinken – sicher eine gute Idee. (Und dabei sei gesagt, dass ich nie wirklich viel getrunken habe. Weniger geht trotzdem noch 😉 )

Wie es bei mir gelaufen ist, darüber werde ich euch Anfang Februar informieren. Wer sich in der Zwischenzeit noch mehr über die Diskussion zwischen den beiden Ians interessiert: sie haben sie in einer wissenschaftlichen Publikation ausformuliert. Man muss leider dafür bezahlen, alles lesen zu können…


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