Gedanken eines SchreiberlingsWissenschaft

Immer mal was Neues probieren

Kennen wir das Gefühl nicht alle? Man schaut sich in der Wohnung um, und irgendwie ist zwar alles hübsch, aber man möchte doch gerne mal was Neues. Oder die Lieblingssorte Eis schmeckt doch nicht mehr ganz so interessant?

Jetzt gibt es eine neurowissenschaftliche Empfehlung, was man dagegen tun kann: Altes aus einer neuen (ungewöhnlichen) Perspektive sehen.

Ed O’Brien (University of Chicago) und Robert W. Smith (Ohio State University) gingen der Langeweile des Altbekannten auf die Spur. Sie fanden heraus, dass man bekannte Dinge wieder mehr genießen kann, wenn man sie auf ungewohnte Art tut. Die Autoren denken zum Beispiel an das Essen in einem „Restaurant im Dunkeln“, eine Aktivität, die sich großer Beliebtheit erfreut. Liegt das vielleicht daran, dass es ungewöhnlich ist, im Dunkeln zu essen?

Wenn man gelangweilt ist von alten Dingen, ist es oft die natürliche Reaktion, sich neue Dinge zu kaufen. Es ist erwiesen, dass man sich mit dem Neuen mehr und vor allem aufmerksamer beschäftigt. Doch ist es immer notwendig, sich gleich etwas Neues zu kaufen (zumal dieses neue Objekt auch schnell seinen Reiz verlieren könnte)?
Andere Forschungen in Richtung Achtsamkeit und Genuss legen nahe, dass man auch alten Objekten einen Mehrwert an Genuss entlocken kann, wenn man sich auf neue Aspekte fokussiert.

O’Brien und Smith denken nun einen Ansatz weiter, der sich mit neuen Situationen beschäftigt. Das bedeutet, Bekanntes auf eine neue Art und Weise kennenzulernen. Auch unter dem Aspekt, dass es günstiger ist, als ständig neue Sachen kaufen zu müssen.
Die Autoren ließen Probanden essen, trinken und Videos anschauen, jeweils entweder auf die konventionelle oder auf eine ungewöhnliche Art. In ihrem ersten Experiment sollten die Teilnehmer Popcorn mit Stäbchen essen.
Andere Versuchssubjekte sollten Wasser trinken, an sich eine sehr langweilige Tätigkeit. Doch abgesehen von der Kontrollgruppe, die ganz normal Wasser aus einem Glas trinken sollten, nahmen die Teilnehmer das Wasser auf viele verschiedene und kreative Arten zu sich (welche sie selbst vorher vorgeschlagen hatten): zum Beispiel aus einem Martini-Glas, mit der Zunge wie eine Katze, oder aus einem Briefumschlag.
In einem dritten Versuch sahen die Teilnehmer ein Video (einer spannenden Motorradfahrt) zweimal. Beim dritten Mal wurden sie in Gruppen eingeteilt: Entweder sie sahen es noch einmal ohne Veränderung. Oder sie sollten mit ihren Fingern eine Brille um ihre Augen formen und damit dem Motorrad folgen. Die dritte Gruppe sah den Film auf dem Kopf.

Was lernten die Wissenschaftler daraus? Der Spaß der Teilnehmer hielt sich in Grenzen, wenn sie Dinge auf die alte, bekannte Art und Weise taten. So wie uns etwas langweilig wird, was wir schlicht und einfach zu oft getan oder zu uns genommen haben. Taten die Teilnehmer etwas jedoch auf eine neue, ungewöhnliche Art, machte es ihnen plötzlich wieder mehr Spaß.
Mit einer Einschränkung: die neue Methode durfte nicht störend sein, wie das Ansehen eines Filmes auf dem Kopf. In dem Fall war es den Teilnehmern nicht möglich, sich wirklich auf den Film einzulassen, also konnten sie ihn auch nicht genießen.

Bei der Veränderung, die das Alte wieder Neu macht, geht es also darum, die Aufmerksamkeit wieder richtig auf spannende oder schöne Aspekte zu lenken.

Was lernen wir daraus? Wenn uns etwas langweilig wird, sollten wir es uns noch einmal genau ansehen, aber aus einem anderen Blickwinkel. Vielleicht reicht es schon, unser Lieblingsessen mal auf der Terrasse statt im Esszimmer zu uns zu nehmen? Oder wäre das eher störend, weil wir uns dann auf die schöne Umgebung konzentrieren, statt auf das Essen? Andererseits – genießen würden wir es allemal.
In jedem Fall sollten wir, bevor wir etwas ausrangieren, erst einmal über neue Perspektiven nachdenken, und das Schränkchen aus dem Wohnzimmer, das uns so unscheinbar vorkommt, mal im Flur platzieren. Und, um etwas Würze in den Alltag zu bringen, probieren wir doch einfach neue Methoden aus, egal wie lustig oder lächerlich sie scheinen mögen. Ob den Kindern wohl ein Frühstück mit Toast-Häppchen mit kleinen Fähnchen drin gefällt, anstatt das Toast einfach so vor die Nase gesetzt zu bekommen?

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