Gedanken eines SchreiberlingsWissenschaft

Hunger macht schlechte Laune

Nach dem letzten Beitrag wollte ich mal etwas leichtere Kost schreiben, aber was… Nun, à propos Kost: warum werden wir aggressiv, wenn wir Hunger haben?

Jeder kennt wohl die miese Laune, die sich anschleicht, wenn man längere Zeit nicht gegessen hat. Erst recht, wenn eine Mahlzeit ausfallen musste, an die man eigentlich gewöhnt ist. Schuld ist (nach dem heutigen Wissensstand) das Serotonin.

Serotonin ist ein Neurotransmitter, ein Botenstoff, der Informationen von einer Nervenzelle zur nächsten weitergibt. Das geschieht an den Synapsen, wo die Nervenzellen nur von einem kleinen Synaptischen Spalt getrennt sind. Auf beiden Seiten des Spaltes befinden sich Proteine, durch die Botenstoffe aus der Zelle oder in die Zelle wandern können, und Proteine, an die Botenstoffe andocken können. Und noch eine ganze Menge anderer Proteine.

Wichtig ist jetzt, dass das Essen bei der Herstellung von Serotonin hilft. Denn Lebensmittel enthalten mehr oder weniger L-Tryptophan, der Baustein, der ins Gehirn gelangen muss, um Serotonin zu erzeugen. Essen wir zu wenig, entsteht in unserem Gehirn ein Serotoninmangel. Unsere Nervenzellen können nicht mehr genug Serotonin in die Synapse ausschütten.

Und was macht Serotonin in der Synapse? Nun, es hat eine ganze Menge an Aufgaben, wie zum Beispiel die Regulation von Schmerz und vom Schlaf-Wach-Rhythmus. Und: es ist für unsere Stimmung zuständig. Genug Serotonin vermittelt uns Zufriedenheit und eine ausgeglichene Stimmung. Haben wir jedoch zu wenig davon, werden wir unruhig, reizbar, kurz: mies gelaunt. Schlimmer noch: Oft haben Menschen mit Depressionen einen dauerhaft niedrigen Serotonin-Spiegel.

Unsere Frage ist damit auch beantwortet: Essen wir zu wenig, fehlen uns die Bausteine, um Serotonin herzustellen. Dadurch können unsere Nervenzellen nicht genug von diesen Neurotransmitter in den Synaptischen Spalt entlassen, und der Informationsweg „Gute Laune“ ist blockiert, bzw. zu schwach. Die Aggressionen haben freie Bahn.

Übrigens: Forscher haben gezeigt, dass der Serotonin-Spiegel auch einen Einfluss darauf hat, ob wir zu gesünderem oder ungesünderem Essen greifen. Sie boten ihren Testpersonen eine Auswahl an gesunden und weniger gesunden Nahrungsmitteln an. Bei manchen sorgten sie für einen höheren Serotonin-Spiegel in den Synapsen, imdem sie die Wiederaufnahme in die Nervenzellen blockierten (Citalopram, Blockierung des Serotonin-Transporterts). Tatsächlich entschieden sich diese Probanden mit viel Serotonin eher für gesündere Nahrungsmittel. Ihnen war der Einfluss des Essens auf die Gesundheit wichtiger als der Geschmack. Die Autoren nehmen an, dass sich diese Probanden mehr Gedanken um die Langzeit-Auswirkungen ihrer Ernährung machten.

Ich möchte jetzt nicht über Diäten fachsimpeln, aber mir scheint, dass es kontraproduktiv ist, zu wenig zu essen. Sowohl für die eigene Stimmung, als auch für die sozialen Kontakte und die eigene gesunde Ernährung.

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